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Lügen haben viele Steckdosen: Die befremdlichen Machenschaften der E-Wirtschaft

Von Murxadmin am Fr, 16.02.2018 - 22:50

Was sich da 1983 traf im ansonsten lieblichen Gmunden am Traunsee, welche Bosse und Kapazunder der E-Wirtschaft hier zusammengekommen waren zwecks zweitägiger Besprechung der Lage (man ist versucht “zum Kriegsrat“ zu sagen . . _), das allein konnte einem schon den Atem nehmen, aber was daselbst dann tatsächlich beredet wurde, und, unglücklicherweise für die Beteiligten, zum Glück für die Betroffenen, das heißt für die gutgläubigen Kunden jenes undurchsichtigen Verbundkonzerns, auch prompt ans Licht der Öffentlichkeit geschmuggelt wurde, das ist so richtig angetan, einen glauben zu lassen, man höre oder lese nicht ganz recht, Leider alles wahr.

Die folgenden Auszüge aus dem über 100 Seiten starken Protokoll sollten genügen. Restlos.

E. Wenzl: jede Andeutung vermeiden, daß wir falsch prognostiziert hoben.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich habe die angenehme Aufgabe, Sie als Verbandspräsident zu begrüßen und freue mich sehr, daß diese Tagung und dieses Seminar hierher nach Gmunden in dieses neue Kongreßzentrum verlegt wurde, das das Land Oberösterreich vor mehreren Jahren geschaffen hat.

Es ist mir ein besonderes Anliegen, der GTE und allen, die dort Verantwortung tragen und die diese Tagung vorbereitet haben, zu danken.

Das Thema „Strom - Wärme - Umwelt“ ist sicherlich hochaktuell für die gesamte Elektrizitätswirtschaft. Es wurde gesagt, man solle auch einige provozierende Aussagen treffen. Vielleicht gelingt mir eine. Die kurze Zeit, wo ich zugehört habe, habe ich herausgehört, daß verschiedene Aspekte richtig aufgezeigt wurden, aber ich hab etwas den Eindruck - das ist kein Fehler, das ist Realität -, daß es uns allen heute etwas zu langsam geht. Sei es mit der Beeinflussung und Änderung der öffentlichen Meinung, sei es mit der Erreichung entsprechender Tarife und was uns eben sonst noch alles bewegt in der Elektrizitätswirtschaft. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich warne davor zu erwarten, daß wir gerade in der Elektrizitätswirtschaft immer sofort die Zustimmung aller Menschen bekommen. Wir haben es mit jedermann zu tun, da ja fast ein jeder irgendwo Strom braucht.

Weiters müssen wir uns in der heutigen Zeit mit der Tatsache abfinden, daß wir Gegner haben. Das ist eben nun einmal Realität, und wir müssen sehen, daß wir unserer demokratischen Gesellschaft mit Dingen argumentativ fertig werden. Drittens haben wir vor fünf und zehn Jahren alle nicht gewußt, wie sich die Weltwirtschaft, die Konjunktur oder die Krise entwickeln wird. Das ist alles unerwartet über uns hereingebrochen, daß wir jede Andeutung vermeiden sollten, daß wir einmal falsch prognostiziert haben. Das Kraftwerksausbauprogramm ist an sich eine sehr kluge und weise Einrichtung und ein sehrstarkes Argument dafür, daß die Elektrizitätswirtschaft ebenso diversifiziert und organisiert ist, wie sie in Österreich historisch gewachsen ist: nämlich die Verbundgesellschaft, die Sondergesellschaften, die Landesgesellschaften, die landeshauptstädtischen und privaten Unternehmungen. Aber auch das wird immer wieder zur Diskussion ge- stellt. Würden wir kein so koordiniertes Ausbauprogramm haben, würde man uns zu Recht den Vorwurf machen, da geht es ja ins Blitzblaue durcheinander, wie man es sich nicht ärger vorstellen kann. Nun haben wir ein Ausbauprogramm, das jeweils auf einen Zeitraum von 10 Jahren abzustellen ist, Wie wir alle wissen - sehr viele von ihnen arbeiten ja maßgeblich mit -, ist das keine leichte Aufgabe, weil ja Prognosen immer problembeladen sind. Wir müssen den Gesichtspunkt des Sicherheitsfaktors beachten, das heißt, wenn es schneller aufwärts geht, müssen wir auch noch in der Lage sein, nach Möglichkeit diesen höheren Bedarf aufgrund des uns erteilten gesetzlichen Versorgungsauftrages zu erfüllen. Denn würden wir jetzt sagen, es geht ohnehin die Wirtschaftsentwicklung schleppend und da geht auch nichts weiter, und beim Preis behandelt man uns auch schlecht, dann haben wir überhaupt nichts erreicht. Man würde uns in ein paare Jahren, wenn wieder ein Aufschwung kommt und wir den Strom nicht zu liefern vermögen, sagen, wo waren denn die Gescheiten. Das ist das eine, und das zweite ist, daß wir unglücklicherweise in der Frage der Nutzung der Kernenergie in eine weltweite Phase der Gegnerschaft hinein gekommen sind. Wir haben den Prozentsatz der Stromverbrauchszunahme zurück geschraubt. Viel stärker müßten aber jetzt noch der Versorgungsauftrag, die Sicherheit der Versorgung, die Vor- sorge und die Reservehaltung herausgestellt werden. ich sage das deswegen, weil jeder von ihnen in irgendeiner Form meinungsbildend wirkt, durch einen Vortrag, zu Hause, im Betrieb usf.

Ein weiterer Grund für die Notwendigkeit neuer Kraftwerke ist die Einsparung von Devisen, wenn wir vom Öl weggehen und vornehmlich die Wasserkraft nutzen. Das versteht doch hoffentlich jeder Österreicher, daß es gescheiter ist, für Primärenergie nur 53 Milliarden Schilling auszugeben statt 62 Milliarden, wie es vor einem Jahr war. im vergangenen Jahr 53 Milliarden Schilling auszugeben statt 62 Milliarden, wie es vor einem Jahr war. im vergangenen Jahr 53 Milliarden Schilling, vor einem Jahr 62 Milliarden und früher noch mehr. Nun ist der Energieverbrauch zurückgegangen, wobei natürlich weit mehr das Öl und dessen Folgeprodukt betroffen waren. Wir müssen daher auch beim Verkauf des Produktes Strom umdenken. Meiner Ansicht nach - und es ist ja auch in den voran gegegangenen Vorträgen durchgeklungen, sind die Anfangs-, die Anschlußkosten das große Hindernis für den Kunden: Er baut sein Haus. Er weiß, da muß er mit dem Baumeister rechnen, das kalkuliert er. Er rechnet rnit allen sonstigen Kosten. Aber ich erlebe es ja immer wieder, wie mich die Leute auf der Straße anreden. Man empfindet es furchtbar, daß man für die Strombereitstellung so und so viel zahlen muß. Natürlich kann man das sehr leicht erklären. Aber ich glaube, dort wo es möglich ist, elastisch zu sein, sollten wir diese Barrieren wieder niedriger machen, damit die Leute sich leichter zur - sinnvollen - Nutzung der elektrischen Energie auch für Heizzwecke entschließen, zum Beispiel zur Wärmepumpe. Ich glaube, das sollten wir machen, wir müssen dort die Mitte finden. ich sage es noch einmal, deute das an, dann wird die Pilzwirkung, von der der Freund Hammer gesprochen hat, überall irgendwie eintreten. Natürlich wird sich jeder Mensch das anschauen.

Das geschriebene Wort alleine glaubt er nicht. Wir müssen neue Wege finden, um mit den Konsumenten zu reden und sie von der Richtigkeit unserer Ideen zu überzeugen. Das gelingt nicht bei jeder Zeitung sofort und wird auch beim ORF nicht immer gelingen. Man muß eine Riesengeduld haben. Wir müssen unsere Argumentation sehr behutsam transportieren. Ansonsten mobilisieren wir hier sofort unsere Gegner.

Die große schweigende Mehrheit, die ganz klar sagt, daß es besser ist, wenn wir da noch einmal ein Wasserkraftwerk und dort irgendeinen Staudamm und dergleichen mehr bauen, meldet sich ja nicht.

Mich hat vor kurzem eine Gruppe von Bürgermeistern besucht, die gesagt haben, bei ihnen seien alle dafür, und außerdem haben sie lauter einstimmige Beschlüsse und dergleichen mehr. ich habe gesagt, das sei wunderbar, nur wenn ich lauter Briefe bekomme von der Gruppe „Rettet das Tal" usw., und alle Minister und alle Abgeordneten und alle Medien opponieren, dann wird Eure Meinung und die der gesamten Bevölkerung und der 99 Prozent, die hinter Euch stehen, untergehen.

Ihr müßt Euch rühren. Wir müssen versuchen - und zum Teil gelingt dies schon -, die schweigende Mehrheit zu mobilisieren. Es spricht sich natürlich alles sehr leicht: der Teufel liegt aber im Detail, das ist ja ganz klar. ich glaube, wir sollten hier einen sehr engen Gedankenaustausch pflegen. Es wird überall notwendig sein, auch andere Wege zu beschreiten, in der einen oder anderen Richtung. Aber dann, glaube ich, wird es uns gelingen, die öffentliche Meinung, die ja gar nicht so schlecht ist für uns, hier weiterhin für uns zu verbessern und die veröffentlichte Meinung in zäher Kleinarbeit durch ständige Kontakte zu bewegen. Natürlich wird es auch Rückschläge geben - bitte, wer hat schon alles richtig gemacht, wer macht schon immer das richtige Plakat, das allen gefällt, und wer macht schon immer die richtige Sendung, da kann auch einmal etwas passieren, wer macht schon immer die richtige Aussage, da gibt es auch einmal etwas. Übrigens, wenn eine Aussage wiedergegeben wird, wird sie oft nur zur Hälfte wiedergegeben, es fehlt ein wesentlicher Teil. Der, der das liest, sagt, er hat nie geglaubt, daß man so etwas Verrücktes sagen kann. Da muß man dann schon beide Seiten hören.

Dann muß man - das machen Sie in dieser Gesellschaft so verdienstvoll - also wirklich suchen, wo es das neueste auf den Gebieten gibt, sprich also Wärmepumpe oder Elektroheizung und dergleichen oder was es immer hier gibt. Wir sind nun etwas mehr in den Käufermarkt gedrängt als seinerzeit in den Verkäufermarkt. Das müssen wir ja auch ganz hart und nüchtern sehen. ich bin absolut optimistisch, daß uns das gelingen wird, ich bin sicher, daß auch dieses Seminar dazu einen wesentlichen Beitrag leistet.

Ich danke ihnen nochmals für Ihre Mitarbeit, und ich wünsche ihnen für heute abend und für morgen einen weiteren schönen Verlauf der Tagung.

Aus: Die Schlacht der Bäume

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