Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.

Um alle Funktionen nutzen zu können - wie Kommentare abgeben und Beiträge eingeben - melden Sie sich bitte an oder, wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, registrieren Sie sich bitte! (funktioniert wieder!)

Hainburg

Die Rolle der Elektrizität auf dem österreichischen Wärmemarkt und ihre zukünftige Entwicklungsmöglichkeit

Von Murxadmin am Fr., 16.02.2018 - 22:57
Body

(Seminar - Zusammenfassung)

Die österreichische Elektrizitätswirtschaft ist bemüht, durch den bevorzugten Ausbau der Wasserkraft sowohl die durch den Import fossiler Primärenergieträger verursachte Belastung der österreichischen Außenhandelsbilanz zu mindern, als auch den Einsatz von Wärmekraftwerken unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und umweltpolitischer Aspekte durchzuführen.

Bedingt durch die spezielle Struktur des österreichischen Kraftwerksparkes liegen die spezifischen Erzeugungsverluste für elektrischen Strom deutlich unter den entsprechenden Werten der meisten europäischen Staaten. Aus diesem Grund liegt auch der Gesamtwirkungsgrad bei der Umwandlung elektrischen Stroms in Nutzwärme deutlich über den Vergleichswerten anderer Staaten. Ein energiewirtschaftlich quantitativer Vergleich verschiedener Heizsysteme zeigt, daß in Österreich durch elektrische Heizung eine um rund 4 % höhere Energienutzung gegenüber konventionellen Brennstoffen erreicht wird.

Da einerseits der Ausbau der Wasserkraft in Österreich weiterhin mit Vorrang betrieben werden soll, andererseits im Bereich der Industrie die Nachfrage nach elektrischer Energie sowohl bedingt durch konjunkturelle Schwächen als auch effizienteren Energieeinsatz nur sehr zögernd zunimmt und Tendenzänderungen in Zukunft kaum zu erwarten sind, muß für das erhöhte Angebot an elektrischer Energie vor allem der Haushaltssektor in verstärkter Weise als Markt gewonnen werden. Da gegenwärtig der Bedarf an konventionellen Haushaltsgeräten als gesättigt zu betrachten und für Geschirrspül- und Tiefkühlgeräte bestenfalls bis 1985 kräftige Zuwächse zu erwarten sind, bietet sich vor allem der Wärmemarkt als langfristig wesentlicher Expansionsbereich an …

Wir haben weiters (von der 1.GTE-Tagung in Eisenstadt - Anm_ d. Red.) übernommen, daß wir elektrizitätswirtschaftlich unter uns bleiben wollten, und haben daher alles vermieden, um die Öffentlichkeit - wozu auch staatliche Stellen gehören - dabei zu haben.

W. Koenne, Verbundgesellschaft, im Einleitungsreferat

Aus: Die Schlacht der Bäume

„Der Strom, den wir nun einmal haben“

Von Murxadmin am Fr., 16.02.2018 - 22:54
Body

In den Podiumsdiskussionen fühlten sich die Bosse und Manager der E-Wirtschaft unter sich und redeten frei von der Leber weg. Man höre und staune ...

Koenne: Nach diesen Ausführungen brauchen wir, wenn wir den im Ausbauprogramm vorhandenen Strom verkaufen wollen, im Wärmesektor eine Zuwachs von 10 Prozent pro Jahr; nicht insgesamt 10 Prozent mehr, sondern jedes Jahr 10 Prozent mehr Elektroheizung. ich kann mir bei den ruhigen Strategien, die ich in den Arbeitsgruppen gehört habe, einen Zuwachs von 10 Prozent nur schwer vorstellen. Das liegt ja weit über all dem, was die EDV-Firmen in ihren guten Zeiten zum Teil erreicht haben, und die haben immerhin im Marketing einiges gekonnt. Ich glaube, darüber sollte man sich schon noch ein bißchen unterhalten.

Richtig interpretiert, würde das bedeuten, daß, wenn man den Einsatz der Elektroheizung nur beim Zuwachs in der Bausubstanz ansetzt, das nicht zu erreichen ist. Mit anderen Worten, eine Strategie, die nur darauf aus ist, bei Neubauten Elektroheizungen anstelle anderer Heizungen zu installieren - und das vermutlich nicht zu 100 Prozent-, würde auf jeden Fall einen zu geringen Zuwachs bedeuten. Wenn die Zahlen richtig sind, geht es um echtes Verdrängen und Ersetzen – von bereits vorhandenen Heizungen. Das braucht natürlich schon eine ganz andere Aggressivität im Markt als zu sagen, "na ja, wenn wer zu uns kommt, darf er anschließen".

Ich weiß nicht, ob Sie heute in die Zeitung hinein geschaut haben. Es steht auch drinnen, daß beabsichtigt ist, den Strompreis wieder wesentlich höher zu versteuern. Wenn das dazukommt, bedeutet das dadurch auch natürlich einen höheren Strompreis. Das ergibt wieder einen negativen Einfluß auf die ganzen Intentionen, die jetzt laufen, daß wir mit dem Strom konkurrenzfähiger werden sollen. Es ist vielleicht nur eine Überlegung. ich habe mir jetzt gedacht, vielleicht ist das schon die erste Bremse, die erste Hürde, die sich uns entgegenstellt.

Soviel ich weiß, aber vielleicht wissen es die Leute von unseren Lastverteilern besser, ist im Augenblick in Europa die Situation nirgends so, daß jemand sehr danach schreit, Strom von uns zu kaufen.

Für mich spiegelt sich in der Situation, die wir jetzt skizziert haben, ein bißchen die Struktur unserer Unternehmen insoferne wider, als wir primär versucht haben, das Produktionsproblem zu lösen. Wir haben zunächst in unseren Gesellschaften versucht, gute Kraftwerke zu bauen, Kraftwerke mit hohem Wirkungsgrad, an idealen Stellen, mit technisch einwandfreien Lösungen; wir haben versucht, gute Netze zu bauen. Bei uns hat die Produktionsseite überwogen, und die Marketingseite ist vernachlässigt worden. Für dieses Verhalten von Unternehmen gibt es leider (im nicht verstaatlichen und so abgesicherten Bereich) eine Reihe von Beispielen, die zum Untergang der Unternehmen geführt haben. Gute Ingenieurleistungsunternehmen, die ein schlechtes Marketing gehabt haben, sind vom Markt verschwunden.

Es können sich alle noch an die Firma Borgward erinnern. Es gibt auch im Haushaltgerätesektor eine ganze Reihe Beispiele dafür, und vielleicht zählt dazu auch die AEG. Das ist ein Verhalten, das für Unternehmen, die im Markt wirklich als freie Unternehmen überleben wollen, unter Umständen sehr gefährlich ist. Die sitzen dann auf ihren exzellenten Produktionen und finden niemand oder nicht genügend, die sie kaufen.

Ich würde Sie daher wirklich bitten, schauen Sie sich Ihre Bilanzen an.

Was passiert, wenn die Annahmen über Zuwachsraten und Umsatzsteigerung falsch sind, mit den Zinsenbelastungen auch das investierte Kapital? Mir wird immer ein wenig Angst, wenn ich solche Rechnungen mit etwas anderen Zahlen zu machen versuche. Es war bisher immer möglich, die anfallenden Zinsen vom aufgenommenen Kapital zu zahlen. Aber wenn wir einen stagnierenden oder reduzierten Absatz haben? Marketing heißt, das Hineingehen in den Markt, heißt, daß wir Strom verkaufen wollen, und ist wahrscheinlich eines der wichtigen Dinge, die wir vor uns haben. Ob das aber gut gehen kann, wenn man sich friedlich mit allen anderen Energieträgern (bis zur Fernwärme) arrangiert? Ich habe meine Zweifel.

Gutjahr: Der dritte Punkt war die Prognose. Dazu kann ich mich kurz fassen, denn erstens haben Sie schon vom ersten Arbeitskreis einiges darüber gehört und zweitens sind wir eigentlich zur Überzeugung gekommen, wenn wir zur Wahrsagerin gehen, bekommen wir vielleicht bessere Werte, als wenn wir zwei Stunden darüber diskutieren. Wir haben uns also auf die Feststellung beschränkt die der Herr Ing. Wiessner von der Verbundgesellschaft eingebracht hat, daß es eben eine Diskrepanz gibt zwischen dem koordinierten Ausbauprogramm, zwischen Importverträgen und der tatsächlichen Absetzmöglichkeit. Wir haben uns auf die schöne Formulierung geeinigt, daß dadurch die Sicherung der inländischen Elektrizitätsversorgung gigantisch gewachsen ist. Außerdem sind wir zu dem Schluß gekommen, daß dieser Strom, den wir nun einmal haben, auch irgendwo nutzbringend verkauft werden sollte. Für tatsächliche Chancen wäre es wohl notwendig, daß die einzelnen EVUs in ihrem eigenen Bereich Marktanalysen machen, und diese Marktanalysen dann gesammelt werden.

Brosch: Es wurde übereinstimmend (im Arbeitskreis 4: “Marktanalyse und Marktstrategie” -Anm_ d. Red.) festgestellt, daß die direkte Werbung für mehr Stromabsatz nicht zielführend sei, sondern sie sollte durch diverse Deckmäntel laufen, eben über die Wirtschaftlichkeit, über die Bequemlichkeit. Das hat den Sinn, nicht von vornherein in einer Phase des Anstiegs unnötigen Widerspruch zu erzeugen.

Wiessner: Durch die konsequente Verfolgung des Koordinierten Ausbauprogrammes und der Importe stehen infolge des Verbrauchsrückganges freie Energiemengen in den jeweiligen Jahresperioden zur Verfügung.

Steht man dieser Situation tatenlos gegenüber, werden sich insoferne Konsequenzen ergeben, als Kraftwerke abgestellt werden müssen, deren Kapitalkosten und unter Umständen auch Brennstoffkosten, soferne längerfristige Verträge über Kohlelieferungen abge-schlosssen wurden, jedoch von den jeweiligen EVU getragen werden müssen. Auf Sicht wäre auch das Bauprogramm zu überdenken.

... will die Elektrizitätswirtschaft gegenüber Fernwärme und Öl/Gas als Energieträger nicht zurückbleiben, muß sie versuchen, den Verkauf elektrischer Energie . . . zu aktivieren.

... Aufgrund des stagnierenden Bedarfszuwachses bedarf es gerade in dieser Zeit marktstrategischer Überlegungen und Anreizbildungen für Abnehmer, sich wieder für Elektrizität zu entscheiden.

„Ebenso sollten hier Auswirkungen besprochen werden, wenn es der E-Wirtschaft nicht gelingt, den Wärmemarkt im gewünschten Maße zu erschließen (Überkapazität)“.
G. Österreicher, GTE, im Einleitungsreferat

„Die Erfordernisse aufgrund des Energieüberangebotes liegen auf der Hand.“

H. Maurer, KELAG

Aus: Die Schlacht der Bäume

Lügen haben viele Steckdosen: Die befremdlichen Machenschaften der E-Wirtschaft

Von Murxadmin am Fr., 16.02.2018 - 22:50
Body

Was sich da 1983 traf im ansonsten lieblichen Gmunden am Traunsee, welche Bosse und Kapazunder der E-Wirtschaft hier zusammengekommen waren zwecks zweitägiger Besprechung der Lage (man ist versucht “zum Kriegsrat“ zu sagen . . _), das allein konnte einem schon den Atem nehmen, aber was daselbst dann tatsächlich beredet wurde, und, unglücklicherweise für die Beteiligten, zum Glück für die Betroffenen, das heißt für die gutgläubigen Kunden jenes undurchsichtigen Verbundkonzerns, auch prompt ans Licht der Öffentlichkeit geschmuggelt wurde, das ist so richtig angetan, einen glauben zu lassen, man höre oder lese nicht ganz recht, Leider alles wahr.

Die folgenden Auszüge aus dem über 100 Seiten starken Protokoll sollten genügen. Restlos.

E. Wenzl: jede Andeutung vermeiden, daß wir falsch prognostiziert hoben.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich habe die angenehme Aufgabe, Sie als Verbandspräsident zu begrüßen und freue mich sehr, daß diese Tagung und dieses Seminar hierher nach Gmunden in dieses neue Kongreßzentrum verlegt wurde, das das Land Oberösterreich vor mehreren Jahren geschaffen hat.

Es ist mir ein besonderes Anliegen, der GTE und allen, die dort Verantwortung tragen und die diese Tagung vorbereitet haben, zu danken.

Das Thema „Strom - Wärme - Umwelt“ ist sicherlich hochaktuell für die gesamte Elektrizitätswirtschaft. Es wurde gesagt, man solle auch einige provozierende Aussagen treffen. Vielleicht gelingt mir eine. Die kurze Zeit, wo ich zugehört habe, habe ich herausgehört, daß verschiedene Aspekte richtig aufgezeigt wurden, aber ich hab etwas den Eindruck - das ist kein Fehler, das ist Realität -, daß es uns allen heute etwas zu langsam geht. Sei es mit der Beeinflussung und Änderung der öffentlichen Meinung, sei es mit der Erreichung entsprechender Tarife und was uns eben sonst noch alles bewegt in der Elektrizitätswirtschaft. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich warne davor zu erwarten, daß wir gerade in der Elektrizitätswirtschaft immer sofort die Zustimmung aller Menschen bekommen. Wir haben es mit jedermann zu tun, da ja fast ein jeder irgendwo Strom braucht.

Weiters müssen wir uns in der heutigen Zeit mit der Tatsache abfinden, daß wir Gegner haben. Das ist eben nun einmal Realität, und wir müssen sehen, daß wir unserer demokratischen Gesellschaft mit Dingen argumentativ fertig werden. Drittens haben wir vor fünf und zehn Jahren alle nicht gewußt, wie sich die Weltwirtschaft, die Konjunktur oder die Krise entwickeln wird. Das ist alles unerwartet über uns hereingebrochen, daß wir jede Andeutung vermeiden sollten, daß wir einmal falsch prognostiziert haben. Das Kraftwerksausbauprogramm ist an sich eine sehr kluge und weise Einrichtung und ein sehrstarkes Argument dafür, daß die Elektrizitätswirtschaft ebenso diversifiziert und organisiert ist, wie sie in Österreich historisch gewachsen ist: nämlich die Verbundgesellschaft, die Sondergesellschaften, die Landesgesellschaften, die landeshauptstädtischen und privaten Unternehmungen. Aber auch das wird immer wieder zur Diskussion ge- stellt. Würden wir kein so koordiniertes Ausbauprogramm haben, würde man uns zu Recht den Vorwurf machen, da geht es ja ins Blitzblaue durcheinander, wie man es sich nicht ärger vorstellen kann. Nun haben wir ein Ausbauprogramm, das jeweils auf einen Zeitraum von 10 Jahren abzustellen ist, Wie wir alle wissen - sehr viele von ihnen arbeiten ja maßgeblich mit -, ist das keine leichte Aufgabe, weil ja Prognosen immer problembeladen sind. Wir müssen den Gesichtspunkt des Sicherheitsfaktors beachten, das heißt, wenn es schneller aufwärts geht, müssen wir auch noch in der Lage sein, nach Möglichkeit diesen höheren Bedarf aufgrund des uns erteilten gesetzlichen Versorgungsauftrages zu erfüllen. Denn würden wir jetzt sagen, es geht ohnehin die Wirtschaftsentwicklung schleppend und da geht auch nichts weiter, und beim Preis behandelt man uns auch schlecht, dann haben wir überhaupt nichts erreicht. Man würde uns in ein paare Jahren, wenn wieder ein Aufschwung kommt und wir den Strom nicht zu liefern vermögen, sagen, wo waren denn die Gescheiten. Das ist das eine, und das zweite ist, daß wir unglücklicherweise in der Frage der Nutzung der Kernenergie in eine weltweite Phase der Gegnerschaft hinein gekommen sind. Wir haben den Prozentsatz der Stromverbrauchszunahme zurück geschraubt. Viel stärker müßten aber jetzt noch der Versorgungsauftrag, die Sicherheit der Versorgung, die Vor- sorge und die Reservehaltung herausgestellt werden. ich sage das deswegen, weil jeder von ihnen in irgendeiner Form meinungsbildend wirkt, durch einen Vortrag, zu Hause, im Betrieb usf.

Ein weiterer Grund für die Notwendigkeit neuer Kraftwerke ist die Einsparung von Devisen, wenn wir vom Öl weggehen und vornehmlich die Wasserkraft nutzen. Das versteht doch hoffentlich jeder Österreicher, daß es gescheiter ist, für Primärenergie nur 53 Milliarden Schilling auszugeben statt 62 Milliarden, wie es vor einem Jahr war. im vergangenen Jahr 53 Milliarden Schilling auszugeben statt 62 Milliarden, wie es vor einem Jahr war. im vergangenen Jahr 53 Milliarden Schilling, vor einem Jahr 62 Milliarden und früher noch mehr. Nun ist der Energieverbrauch zurückgegangen, wobei natürlich weit mehr das Öl und dessen Folgeprodukt betroffen waren. Wir müssen daher auch beim Verkauf des Produktes Strom umdenken. Meiner Ansicht nach - und es ist ja auch in den voran gegegangenen Vorträgen durchgeklungen, sind die Anfangs-, die Anschlußkosten das große Hindernis für den Kunden: Er baut sein Haus. Er weiß, da muß er mit dem Baumeister rechnen, das kalkuliert er. Er rechnet rnit allen sonstigen Kosten. Aber ich erlebe es ja immer wieder, wie mich die Leute auf der Straße anreden. Man empfindet es furchtbar, daß man für die Strombereitstellung so und so viel zahlen muß. Natürlich kann man das sehr leicht erklären. Aber ich glaube, dort wo es möglich ist, elastisch zu sein, sollten wir diese Barrieren wieder niedriger machen, damit die Leute sich leichter zur - sinnvollen - Nutzung der elektrischen Energie auch für Heizzwecke entschließen, zum Beispiel zur Wärmepumpe. Ich glaube, das sollten wir machen, wir müssen dort die Mitte finden. ich sage es noch einmal, deute das an, dann wird die Pilzwirkung, von der der Freund Hammer gesprochen hat, überall irgendwie eintreten. Natürlich wird sich jeder Mensch das anschauen.

Das geschriebene Wort alleine glaubt er nicht. Wir müssen neue Wege finden, um mit den Konsumenten zu reden und sie von der Richtigkeit unserer Ideen zu überzeugen. Das gelingt nicht bei jeder Zeitung sofort und wird auch beim ORF nicht immer gelingen. Man muß eine Riesengeduld haben. Wir müssen unsere Argumentation sehr behutsam transportieren. Ansonsten mobilisieren wir hier sofort unsere Gegner.

Die große schweigende Mehrheit, die ganz klar sagt, daß es besser ist, wenn wir da noch einmal ein Wasserkraftwerk und dort irgendeinen Staudamm und dergleichen mehr bauen, meldet sich ja nicht.

Mich hat vor kurzem eine Gruppe von Bürgermeistern besucht, die gesagt haben, bei ihnen seien alle dafür, und außerdem haben sie lauter einstimmige Beschlüsse und dergleichen mehr. ich habe gesagt, das sei wunderbar, nur wenn ich lauter Briefe bekomme von der Gruppe „Rettet das Tal" usw., und alle Minister und alle Abgeordneten und alle Medien opponieren, dann wird Eure Meinung und die der gesamten Bevölkerung und der 99 Prozent, die hinter Euch stehen, untergehen.

Ihr müßt Euch rühren. Wir müssen versuchen - und zum Teil gelingt dies schon -, die schweigende Mehrheit zu mobilisieren. Es spricht sich natürlich alles sehr leicht: der Teufel liegt aber im Detail, das ist ja ganz klar. ich glaube, wir sollten hier einen sehr engen Gedankenaustausch pflegen. Es wird überall notwendig sein, auch andere Wege zu beschreiten, in der einen oder anderen Richtung. Aber dann, glaube ich, wird es uns gelingen, die öffentliche Meinung, die ja gar nicht so schlecht ist für uns, hier weiterhin für uns zu verbessern und die veröffentlichte Meinung in zäher Kleinarbeit durch ständige Kontakte zu bewegen. Natürlich wird es auch Rückschläge geben - bitte, wer hat schon alles richtig gemacht, wer macht schon immer das richtige Plakat, das allen gefällt, und wer macht schon immer die richtige Sendung, da kann auch einmal etwas passieren, wer macht schon immer die richtige Aussage, da gibt es auch einmal etwas. Übrigens, wenn eine Aussage wiedergegeben wird, wird sie oft nur zur Hälfte wiedergegeben, es fehlt ein wesentlicher Teil. Der, der das liest, sagt, er hat nie geglaubt, daß man so etwas Verrücktes sagen kann. Da muß man dann schon beide Seiten hören.

Dann muß man - das machen Sie in dieser Gesellschaft so verdienstvoll - also wirklich suchen, wo es das neueste auf den Gebieten gibt, sprich also Wärmepumpe oder Elektroheizung und dergleichen oder was es immer hier gibt. Wir sind nun etwas mehr in den Käufermarkt gedrängt als seinerzeit in den Verkäufermarkt. Das müssen wir ja auch ganz hart und nüchtern sehen. ich bin absolut optimistisch, daß uns das gelingen wird, ich bin sicher, daß auch dieses Seminar dazu einen wesentlichen Beitrag leistet.

Ich danke ihnen nochmals für Ihre Mitarbeit, und ich wünsche ihnen für heute abend und für morgen einen weiteren schönen Verlauf der Tagung.

Aus: Die Schlacht der Bäume

Vom langen Marsch: Die Geschichte der Au-Erregung

Von Murxadmin am Fr., 16.02.2018 - 22:42
Body

Text: Karl Wagner

Naturverbundene Hainburger und Marchfelder erkannten bereits Ende der 70er Jahre das Ausmaß der durch ein Kraftwerk Hainburg drohenden Landschaftszerstörung. Mit Unterschriftenaktionen, Informationsveranstaltungen und Vorsprachen bei Politikern versuchten sie gemeinsam mit bekannten Umweltwissenschaftlern einen alternativen Standort für das Kraftwerk durchzusetzen.

Die Minister Günter Heiden (SPÖ) und Kurt Steyrer (SPÖ) unterstützten dieses Anliegen und veranlassten die DokW, mehrere Kraftwerke-Standorte zu prüfen.

Zu diesen ersten Kraftwerksgegnern gehören Frau Silvia Leitgeb, eine Leopoldsdorfer Rauchfangkehrermeisterin - wegen ihrer kämpferischen Natur und ihres großen Einsatzes auch die „Johanna vom Marchfeld“ genannt -, Frau Dr. Frederike Pesaro, eine Orther Ärztin und Robert List, Mitbegründer der Hainburger Bürgerinitiative.

Ohne diese "frühen Kämpfer“ wäre vielleicht alles anders gekommen, denn ihnen ist es gelungen die ansässige Bevölkerung, Wissenschaftler, Umweltschutzvereinigungen und auch Politiker auf den letzten großen Auwald Mitteleuropas aufmerksam zu machen. Und ihrem persönlichen Einsatz ist es auch zu verdanken, daß die Auschützer von den Marchfelder Bauern nicht nur freundlich aufgenommen sondern auch aktiv unterstützt wurden.

Im Herbst 1982 bewilligte der WWF (World Wildlife Fund) - international ein mit 80.000,- Schweizer Franken dotiertes Projekt zur Rettung der Auwälder östlich von Wien. die Projektleitung wurde damals Gerald Navara und mir übertragen. Es folgten erste Gespräche mit der Kronenzeitung, in denen das Interesse von Herausgeber und Redakteuren an einer massiven Kampagne zur Rettung der Donauauen geweckt werden sollte.

Februar 1983 startete dann die WWF-Kampagne "Rettet die Auen" unter folgenden Prämissen:

  • Unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde die Donau in den 70er- und 80er Jahren bis auf die Wachau und den Abschnitt östlich von Wien kanalisiert, wobei 80% der vielbesungenen österreichischen Donau hinter Dämmen verschwand.

  • Der Durchschnittsösterreicher hatte keine Ahnung, er wußte weder vom Kraftwerksprojekt Hainburg noch von der Schönheit der Auwälder östlich von Wien - sogar die geographische Lage der Stadt Hainburg war weitgehend unbekannt.

  • Selbst die Ökologen wußten sehr wenig über die Einzigartigkeit dieser gefährdeten Auwälder. Die Auswirkungen eines Flußkraftwerkes auf das Ökosystem Au waren ebenfalls kaum erfaßt. Dazu kam, daß die lange Auseinandersetzung mit der Kernenergie bei vielen Umweltschützern eine psychologische Sperre gegenüber der Kritik an der Wasserkraft hinterlassen hatte. innerhalb eines halben Jahres untersuchten wir die Sachargumente der Kraftwerksbefürworter und erarbeiteten unsere Argumentation.

Das in Österreich fehlende ökologische Wissen brachten deutsche Naturwissenschaftler, die seit vielen Jahren die Auswirkungen von Laufkraftwerken auf Auwälder wissenschaftlich untersuchen, ein.

Die österreichischen Wissenschaftler erkannten anhand der Ergebnisse der Langzeitversuche, die Dr. Dister und Dr. Hügeln am Oberrhein durchgeführt hatten, daß jede Kraftwerksvariante durch die zwingend stattfindende hydrologische Trennung von Auwald und Fluß mittel- bis langfristig zu einer völligen Veränderung des Ökosystems führen muß.

Dr. Emil Dister, einer der weltbesten Auwaldökologen (damals Universität Saarland, jetzt WWF-Deutschland) opferte über ein Jahr hindurch seine gesamte Freizeit, um in zahlreichen Diskussionsveranstaltungen, Seminaren und Politikervorsprachen sein Wissen über die Unvereinbarkeit von Auwald und Kraftwerk zu vermitteln.

Dabei stellte sich heraus, daß sich alle Ausgleichsmaßnahmen, die in Österreich propagiert werden, in Deutschland als gänzlich unwirksam erwiesen haben.

Die völlige Ablehnung eines Flußkraftwerkes östlich von Wien ist daher nicht als Justamentstandpunkt zu verstehen, sondern als das Ergebnis eines naturwissenschaftlichen Lernprozesses, dem sich Kraftwerksbauer und Politiker bisher verschlossen haben.

Diese Monate sachlicher Recherchen brachten eine Reihe von Konfliktstoffen an den Tag, die von der DoKW und den zuständigen Behörden wohl nicht erkannt bzw. übergangen worden wären, hätten die Umweltschützer nicht mit starker Unterstützung der Zeitungen erfolgreich versucht, sie in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu stellen.

Wissenschaftler, Ärzte und Anrainer mußten länger als ein Jahr auf die durch den Aufstau der schlecht geklärten Wr. Abwässer drohenden hygienischen Gefahren hinweisen, bis Minister ein Hygienegutachten in Auftrag gab - mit der wasserrechtlichen Bewilligung wurde aber nicht einmal auf die Fertigstellung dieses Gutachtens gewartet. Eine vom WWF durchgeführte und von der Kronenzeitung finanzierte Untersuchung der Wasserqualität der Donau konnte die von offiziellen Stellen angegebene Güteklasse II in keiner Weise bestätigen. Die Ergebnisse waren so katastrophal, daß Dr.Josef RichardMöse, ein führender Grazer Hygieniker die Donau als Kloake bezeichnete. Die Reaktion der Behörden: Beschwichtigungsversuche anstelle der von den Umweltschützern geforderten gründlichen Untersuchung.

Beispiele dieser Art ließen sich viele aufzählen.

Bereits 1983 hatten sich die Kraftwerksbefürworter (und auch Minister Steyrer) eine „Bewilligungsargumentation“ zurechtgelegt, die fortan monoton wiederholt wurde.

Sie behaupteten, durch die fortschreitende Tendenz der Sohleneintiefııng der Donau wären die Auwälder bereits jetzt am Austrocknen; nur ein Kraftwerk und begleitende Dotierungsmaßnahmen könnten die Auwälder retten.

Eine sehr kostspielige Werbekampagne der E-Wirtschaft arbeitete auf der gleichen Argumentationslinie.

Quintessenz: Die Kraftwerksbauer sind die wahren Umweltschützer.

Es war uns trotz unzähliger Besuche und Gespräche nicht möglich, die Politiker von der Unrichtigkeit ihrer Aussagen abzubringen. Sie waren unzugänglich für die Argumente der Kraftwerksgegner, denn sie hatten ihre Ohren nur nach einer Seite offen.

Wir waren lange Zeit so naiv, eigentlich bis zur Entscheidung von Landesrat Ernest Brezovsky (SPÖ), anzunehmen, daß die Widerlegung der Argumente der Kraftwerksbefürworter und das Aufzeigen der zahlreichen mit dem Bau des Kraftwerkes Hainburg verbundenen negativen Folgewirkunton ausreichen würde, um das Projekt zu Fall zu bringen. Die Politiker behaupten, daß ein Dialog mit den Umweltschützern stattgefunden hat, eine ergiebige Sachdebatte, deren Ergebnisse in die Bewilligung eingeflossen sein sollen. Diese Sachdebatte hat es aber nicht gegeben. Es ging sichtlich nie darum, unter Abwägung sachlicher und rechtlicher Gesichtspunkte die richtige Entscheidung zu fallen, sondern es sollte lediglich für eine vorgegebene Entscheidung (ja zum Kraftwerk Hainburg) die passende Argumentation gefunden werden.

Der Wunsch der Interessensverbände Gewerkschaft, Bauindustrie, Elektroindustrie, Elektrizitätswirtschaft etc., das Kraftwerk Hainburg zu bauen, scheint vorrangig gewesen zu sein, die für den Bau notwendigen Bewilligungen, Bescheide, Gutachten und Bedarfsnachweise weitrangig. Selbst die Existenz des unter Rechtsexperten als hervorragend klar formuliert und hart bekannten NO Naturschutzgesetzes, das in seiner Formulierung den Bau eines Kraftwerkes eindeutig verbietet, hat die Tiefbaufirmen nicht gehindert sich zu einer Arge Greifenstein-Hainburg zusammenzuschließen. Diese Arge erwarb für beide Kraftwerke einen gemeinsamen, ca. 200 Millionen teuren Spezialmaschinenpark, der sich jetzt nicht mehr amortisieren läßt. Eine verfehlte geschäftliche Spekulation? Wohl kaum. Die Firmen dürften sich der positiven Bescheide sicher gewesen sein.

Eine Art innerer Konsens zwischen Kraftwerksbauern und Politikern war dabei sicher auch durch zahlreiche personelle Verflechtungen bedingt, die dazu beigetragen haben könnten, daß die Bewilligungen für das Kraftwerk als selbstverständlich erachtet wurden.

Als Beispiele ließen sich nennen: '

Franz Köck: Nationalratsabgeordneter der SPÖ, Zentralbetriebsratsobmann der DoKW.

Andreas Maurer: Aufsichtsratspräsident der DoKW, Präsident des NÖ Bauernbundes, Vorstandsmitglied der NÖ-ÖVP,

Kurt Heindl: Vorstandsdirektor bei Hofmann und Maculan, Energiesprecher der SPÖ.

Bevor die DoKW die Projektunterlagen beim Land- und Forstwirtschaftsministerium zwecks Erteilung des bevorzugten Wasserbaus einreichte wurden Sachanfragen mit der Begründung „es gibt ja noch kein diskussionsfähiges Projekt“ abgewiesen. Das „diskussionsfähige“ Projekt bestand letztendlich in der Variante, die die DoKW schon immer angestrebt hatte. Für eine Diskussion und eingehende Begutachtung der Projektunterlagen war kaum Zeit vorgesehen, sie wurden in der für die DoKW typischen Art den Politikern im Frühjahr 1983 auf den Tisch geknallt. Winter 83/84 sollten bereits die ersten Vorarbeiten beginnen.

Im Ansuchen um die Bewilligung des bevorzugten Wasserbaus, der nur dann gewahrt werden darf, wenn der beschleunigte Bau von besonderem volkswirtschaftlichem Interesse ist, betonte die antragstellende DoKW u. a. den Bedarf der durch dieses Kraftwerk erzeugten Elektrizität für die österreichische Stromversorgung. lm gleichen Zeitraum trafen sich führende E-Wirtschaftsmanager in Gmunden und berieten auf einem Seminar, dessen Ergebnisse 1 1/2 Jahre später als „Geheimpapier“ von den Medien aufgedeckt werden sollten, wie sich wohl ein gesteigerter Absatz der Überschußware Elektrizität erreichen ließe.

Ende Juli 1983 begann die Kronenzeitung mit ihrer Kampagne, 2 Monate später wurde die „Aktionsgemeinschaft gegen das Kraftwerk Hainburg“ gegründet, ein Zusammenschluß von 20 Umweltschutzgruppen, Naturschutzvereinen und Bürgerinitiativen; zur selben Zeit stieg die Österreichische Hochschülerschaft massiv in die Auseinandersetzung ein. In vielerlei Hinsicht hatte eine neue Phase begonnen.

Die fast tägliche Berichterstattung der Medien, zahlreiche Straßenaktionen und Informationsveranstaltungen, die enge Zusammenarbeit mehrerer Verbände und Gruppen (OH-Alternativreferat, WWF, Global 2000, Wr. Naturschutzjugend, Friends of the Earth) und Bürgerinitiativen trugen dazu bei, daß weite Kreise der Bevölkerung auf das Kraftwerk Hainburg und den gefährdeten Auwald aufmerksam wurden.

Der Bekanntheitsgrad und das Wissen um die Gefährdung der Donauauen erreichte dadurch vor allem in Ostösterreich eine Dimension, die den Konflikt um das Kraftwerk Hainburg zum Politikum machte.

Die intensive Berichterstattung der Zeitungen über Hainburg verunsicherte die Politiker immer mehr. Da die Wasserrechtsbewilligung und die Erklärung zum bevorzugten Wasserbau eine Angelegenheit des Bundes, die naturschutzrechtliche Bewilligung aber Landeskompetenz ist, konnte jeder Politiker die eigentliche Entscheidung über das Kraftwerk auf die andere Partei abschieben.

Landeshauptmann Siegfried Ludwig (ÖVP) verwies zuerst auf Minister Haiden, später dann auf den Sozialisten Ernest Brezovsky. Er beteuerte immer wieder, daß er keine Unterlagen besäße, daher auch keinen Standpunkt in dieser Frage vertreten könne.

Die Regierungsparteien wiederum schoben die Verantwortung auf LH Ludwig, denn die entscheidende naturschutzrechtliche Bewilligung sei ja Landessache, und im Land Niederösterreich hätten die ÖVP und Landeshauptmann Ludwig das Sagen. Den Kraftwerksgegnern bot sich ein einheitliches Bild: Der jeweilige Gesprächspartner war nie zuständig. im Dezember lagen die WWF-Donauuntersuchungen vor und die Kronenzeitung begann, Minister Haiden fast täglich hart zu attakieren - die Bevorzugungserklärung stand knapp bevor, und die galt es zu verhindern.

Trotz der direkt auf Minister Haiden gezielten Kampagne erteilte dieser am 22.12.1983 die Bevorzugungserklärung - ein Weihnachtsgeschenk für die DoKW.

(Die Bevorzugungserklärung wird vom WWF in einer Verfassungs- und in einer Verwaltungsgerichtshofklage angefochten.)

Die „Aktionsgemeinschaft gegen das Kraftwerk Hainburg“ traf sich seit September 1983 einmal wöchentlich im Café Votiv. Zu diesem Plenum kamen die meisten aktiven Kraftwerksgegner und bestimmten Vorgangsweise, Argumentationslinie, verteilten Aufgaben, Termine und Informationen.

In den Wochen vor den wichtigen Entscheidungen stieg die nervliche Anspannung und es traten depressive Stimmungen innerhalb der Gruppe auf, denen manche mit enormem Arbeitseinsatz, andere mit Fatalismus begegneten.

Zeitweise war das Gefühl, gegen eine Gummiwand zu rennen, fast übermächtig, und viele verließ gelegentlich der Glaube, dieses Kraftwerk verhindern zu können. Stand doch auf der Seite der Kraftwerksbefürworter die offizielle Macht Österreichs: die Regierung, fast alle Oppositionspolitiker, die Gewerkschaft, die Industriellenvereinigung, der ÖGB, die Bauwirtschaft, die E-Wirtschaft.

Auf unserer Seite hingegen standen einige Zeitungen, die Umweltverbände, Wissenschaftler und Künstler und ein immer größer werdender Teil der österreichischen Bevölkerung.

Nach der Bevorzugungserklärung und während der ersten Instanz des Naturschutzverfahrens setzte eine zweite Welle der"Berichterstattung über das Kraftwerk Hainburg ein. In dieser Zeit entstand innerhalb der Aktionsgemeinschaft der Plan, statt eines Konsortiums von Verbänden einen Zusammenschluß von Einzelpersonen anzustreben, denn viele Träger des öffentlichen Lebens waren bereit, gegen das Kraftwerk Hainburg aufzutreten (unter ihnen Günther Nenning, Othmar Karas, Arik Brauer, Friedensreich Hundertwasser etc.).

Praktisch über Nacht entstand dann das Konrad-Lorenz Volksbegehren, das diese Idee mit seinem überparteilichen Personen-Komitee übernahm, und sich zu einer wesentlichen Bereicherung der Auwald-Bewegung entwickelte.

Der negative Naturschutzbescheid der Bezirkshauptmannschaften stürzte die für die Bettung des Auwaldes engagierten Umweltschützer in den trügerischen Glauben an einen schnellen Sieg. Aber praktisch alle, die Landesrat Brezovsky kannten, warnten vor jeglicher Euphorie. Nur wenig später verkündete der Landesrat in einer denkwürdigen Sitzung des NÖ Landtages, daß er allein die Verantwortung für die Entscheidung auf sich nehmen würde. (Diese Erklärung wurde von allen Parteien mit großer Erleichterung aufgenommen).

Trotzdem glaubten viele Naturschützer, die ja mittlerweile mit der Gesetzeslage und den Grundzügen der Auwaldökologie vertraut waren, daß Brezovsky - selbst bei „gutem Willen“ - die naturschutzrechtliche Bewilligung nicht erteilen könnte.

Am 26. November 1984 erließ dann Landesrat Brezovsky einen der skandalösesten Bescheide der 2. Republik, der von bekannten Rechtsgelehrten und Politikern als rechtswidrig bezeichnet wird, und dessen sachliche Begründung von jedem österreichischen Ökologen sofort widerlegt werden könnte.

Menschen, die Recht mit Wahrheit und Gerechtigkeit verbinden, können nicht verstehen, wie ein Bescheid rechtswidrig und zugleich rechtsgültig sein kann. Fast alle Politiker haben Brezovsky's Bescheid gedeckt und mit dieser Haltung Gräben aufgerissen, die sich als sehr tief erweisen könnten.

Bei der Pressekonferenz vom 26. November erklärte Brezovsky, nur eines von 12 Gutachten sei gegen den Bau gewesen, bereits in den nächsten Tagen stieg die Zahl der negativen Gutachten auf 3 an. Hat der Landesrat bei seiner Pressekonferenz die Unwahrheit gesagt, oder hat er sich in der Eile verzählt? In Wahrheit stammen von den 12 Gutachten nur 7 aus dem eigentlichen Naturschutzverfahren. Von diesen 7 sind 4 negativ, das 5. stammt von Otto König, das 6. ist ein elektrizitätswissenschaftliches Gutachten und das 7. nimmt in der Frage Kraftwerk ja oder nein keinen Standpunkt ein.

Von den 5 Wasserrechtsgutachten, die großzügig dazu gerechnet wurden ist eines eindeutig negativ von Prof. Steiner, 2 weitere behandeln spezifische Fragen des Wasserrechts, und haben mit Naturschutz nichts zu tun (Heilquellen, Geologie), das 4. Gutachten behandelt die Sohleneintiefung und das 5. Gutachten stammt von einem gelegentlich für die DOKW arbeitenden Forstmann.

Am 6. Dezember erteilte Minister Haiden die wasserrechtliche Bewilligung für das Kraftwerk Hainburg. Noch am Tag zuvor hatten offizielle Vertreter dieses Ministeriums bei einer Tagung des Europarates in Straßburg den Eindruck vermittelt, daß in der Sache Hainburg noch nichts entschieden sei. Viele Abgeordnete fühlten sich von der österreichischen Delegation getäuscht, als sie erfuhren, daß kaum 2 Stunden später die endgültige Bewilligung für das Kraftwerk ergangen war.

(Der WWF hat in mehreren Klagen an die Höchstgerichte die Parteienstellung im Verfahren angestrebt und den Bescheid selbst angefochten, das KLVB hat eine Anzeige wegen Amtsmißbrauch bei der Staatsanwaltschaft hinterlegt.)

Viele Menschen waren fassungslos über die Unverfrorenheit, mit der das Kraftwerk Hainburg durch die Verfahren geboxt wurde – unter Mißachtung der Ökologie, der Gutachten, der Gesetze und der öffentlichen Meinung.

Für viele stand Österreich während dieser Monate an der Schwelle zu einem Staat mit totalitärem Verhalten.

Das Verhalten der Entscheidungsträger führte zur vielleicht gefährlichsten Auseinandersetzung in der 2. Republik, die damit endete, daß die Regierung dem Druck des Volkes nachgeben und die Vorbereitungen für den Bau eines bewilligten Kraftwerkes abbrechen mußte. Sie hatte keine andere Wahl, denn die Schlacht der Bäume drohte in einen Klassenkampf der Straße auszuarten.

Es liegt nun an der Regierung, der Sozialpartnerschaft und anderen Interessensgruppen, zu erkennen, daß Großprojekte einem öffentlichen Diskussionsprozeß unterworfen sein müssen, der freilich auch zur Ablehnung des Projektes führen kann.

Hainburg muß zum Beginn einer neuen Ära werden, in der Bewilligungsverfahren mit obligatorischer Parteistellung, umfassender Umweltverträglichkeitsprüfung und transparenter Auswahl der Gutachter selbstverständlich sind. Die „erschlichenen“ Bewilligungen für die umstrittene bzw. eine leicht abgeänderte Kraftwerksvariante weiterhin zu benützen, würde bedeuten, daß die Entscheidungsträger dieses Landes nichts aus dem Konflikt um das Kraftwerk Hainburg gelernt haben. Eine weitere Verschärfung einer Auseinandersetzung, die schon lange vor Zwentendorf begonnen und im Auwald ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, wäre die Folge.

Aus: Die Schlacht der Bäume